Nachhaltige Uni Halle – vom Leitbild zur Umsetzung!

Wie steht es um die Transformation im Ursprungsland der Reformation?

Unter dem Titel „Nachhaltige Uni Halle – vom Leitbild zur Umsetzung“ kamen am 28. Juni gut 100 Menschen aus Halle und Umgebung in der altehrwürdigen Aula der Martin-Luther-Universität zusammen. Wir hatten gemeinsam mit dem Arbeitskreis Ökologie und Nachhaltigkeit des Studierendenrates der Uni Halle und dem netzwerk n eingeladen, den Stand und die Zukunft von nachhaltiger Entwicklung an der Uni Halle zu diskutieren. Gefolgt waren der Einladung unter anderem Markus Leber, Kanzler der Martin-Luther-Universität, und Dr. Michael Lehmann, Abteilungsleiter Hochschulen, Wissenschaft und Forschung im Wissenschaftsministerium Sachsen-Anhalt. Die Außenperspektive brachten Dr. Mandy Singer-Brodowski vom Institut Futur der Freien Universität Berlin und Jeanette Israel-Schart von der AG Nachhaltige Hochschule Harz mit ein. Für nachHALLtig saß Frederik Bub mit im Fishbowl.

Rote Karte für die Universität Halle

Wo steht die Universität Halle in Sachen Nachhaltigkeit: Ganz am Anfang? Gibt es Potential? Sind wir Vorreiter? Die Abstimmung hierüber fällt sowohl unter dem Publikum als auch im Fishbowl recht eindeutig aus: Die Universität im Land der Frühaufsteher hat es verschlafen, Nachhaltigkeit systematisch in der Hochschule umzusetzen. Der Rektoratsbeschluss von 2011, nach dem „das Prinzip der Nachhaltigkeit, an dem sich Lehre, Forschung und Verwaltung orientieren“ in das Leitbild der Universität aufgenommen worden ist, also nur ein Lippenbekenntnis? Frederik Bub findet hierfür klare Worte:

„Wenn man Nachhaltigkeit und Uni Halle googelt, dann findet man uns. Das sind zehn Studierende, die all das hier auf die Beine stellen. Wir haben schon Mittel vom Bundesministerium für Bildung und Forschung eingeworben, um unsere Lehrveranstaltung zu realisieren und das neben dem Bachelorstudium! Ich kann es also nicht nachvollziehen, dass die Hochschule es nicht schafft, das in die Tat umzusetzen, was sie sich selbst auf die Fahne geschrieben hat. Dafür gab’s die Rote Karte. “

Dass es in auch anders geht und das nicht weit von Halle, weiß Jeanette Israel-Schart von der Arbeitsgemeinschaft Nachhaltige Hochschule Harz zu berichten. Die Hochschule Harz hat schon 2010 ein Umweltmanagementsystem nach der EMAS III-Verordnung („Eco Management and Audit Scheme“) aufgebaut. Im März 2011 fand das erfolgreiche Audit durch einen externen Umweltgutachter statt. Der Anstoß zum Aufbau des Umweltmanagementsystems wurde von der „Arbeitsgemeinschaft Nachhaltige Hochschule Harz“ (AG NHH) gegeben. In dieser arbeiten Professorinnen und Professoren aller Fachbereiche, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Verwaltung und dem wissenschaftlichen Bereich sowie Studierende an der nachhaltigen Entwicklung der Hochschule Harz, wobei sie konkrete Nachhaltigkeitsprojekte an der Hochschule Harz initiiert, begleitet und unterstützt. Ein Vorbild also für die Universität Halle?

Transformative Lehre gestalten – Studierende gehen voran

Es ist ein starkes Bedürfnis von Studierenden selbst, Themen der Zukunftsorientierung – der sozial-ökologischen Transformation mit in ihrem Studium als wirklich obligatorisches Programm zu haben.

So Dr. Mandy Singer-Brodowski. Studierende wählen demnach Hochschulen mit besonderem Nachhaltigkeitsprofil nicht nur als idealistische Weltverbesserer, sondern auch weil die Ökonomie in einer Transformation begriffen ist und entsprechend kompetente AbsolventInnen sucht. Es sollte also im Interesse der Hochschule sein, Nachhaltigkeit in Lehre und Forschung zu stärken. Das Einstampfen des Lehrstuhls Betriebliches Nachhaltigkeitsmanagement an der Uni Halle steht dem komplett entgegen.

Wie die Universität Halle neu gedacht werden kann, macht das frisch gegründete Bündnis Transformative Lehre deutlich. Dessen Positionspapier überreicht an diesem Abend Frederik Bub stellvertretend für die Bündnis-Initiativen nachHALLtig, Neue Plurale Ökonomik und Zukunftsfähige Landwirtschaft an Kanzler Markus Leber. In dem Papier wird deutlich gemacht, welche Verantwortung Hochschulen haben und wie diese insbesondere in der Lehre wahrgenommen werden kann: Lehrveranstaltungen als Zukunftswerkstätten der Gesellschaft begreifen! Das heißt: Globale Menschheitsprobleme thematisieren, diese mit bestehenden Inhalten verknüpfen und damit bewusst und normativ begründet das Problembewusstsein zukünftiger EntscheideidungsträgerInnen auf Bereiche lenken, in denen Innovation, Erkenntnis und Handeln heutigen und zukünftigen Generationen nützen. Das Bündis Transformative Lehre realisiert dies bereits in diversen selbstorganisierten Lehrformaten. Um diese zu verstetigen und zu erweitern, sucht das Bündnis nun den Dialog mit der Hochschulleitung.

Neue Strukturen – darüber müssen wir reden

„Prüfen – mal sehen – mal im Detail anschauen.“ Im Rahmen der Entwicklung des Nationalen Aktionsplanes „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ seien insbesondere die Länder als Bremser aufgetreten, so Michael Flohr. Wie positioniert sich das Land Sachsen-Anhalt hier? Dr. Lehmann widerspricht nicht: „Es ist zutreffend bemerkt: wir, die Hochschulseite, haben glaube ich am allermeisten aus jedem verbindlichen Detail Empfehlungen gemacht.“ Dabei sind die Zielvereinbarungen zwischen Land und Hochschule relativ deutlich im Bezug auf Nachhaltigkeit:

Die Hochschulen berichten über Konzepte und Maßnahmen zur Nachhaltigkeit. Dies umfasst sowohl den Bereich des Liegenschaftsmanagements, wie z. B. der Zertifizierung nach DIN EN ISO 14001, als auch die Studienangebote im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Ein Nachhaltigkeitsbericht oder besser eine Nachhaltigkeitsstrategie für die Uni Halle scheint also obligatorisch – Verantwortlichkeiten und Strukturen, die dies leisten, notwendig. Dass dies sinnvoll ist und der Universität darüber hinaus noch Geld sparen kann, betonen Studierende der ASQ Nachhaltigkeit, die sich im Rahmen des Moduls mit dem Klimaschutzkonzept der Universität Kiel auseinandergesetzt haben, und im Fishbowl davon berichten.

Nach zwei Stunden intensiver Diskussion, wagt die Diskussionsrunde den Blick in die Zukunft. Wie geht es nun weiter an der Uni Halle? Wie kommen wir vom Leitbild zur Umsetzung? Markus Lebers Abschlussstatement stimmt hier relativ optimistisch:

Ich sehe ich mich in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass die Ideen dort, wo sie meinem Rat entsprechend abgelegt werden, auch willkommen sind. Da müsste man an der ein oder anderen Stelle die Tür ein Stückweit aufzumachen helfen, damit sie auch reinkommen. Das werde ich tun.  Und dann ist die Frage, wie kommen wir zu einer Diskussionsplattform – wie ermöglichen wir es engagierten Personen mit guten Ideen, diese Ideen auszutauschen und in konkrete Maßnahmen umzusetzen. Da müssen wir noch einige Gespräche führen und das werden wir als nächstes tun. Und ich erlaube mir jetzt mal aus der Runde hier den einen oder die andere für ein solchen Gespräch vorzumerken, damit wir das dann mal initiieren können, wie das weitergeht.

Das klingt nach einer Einladung, die wir gerne annehmen um gemeinsam wichtige Schritte für eine nachhaltige Entwicklung an der Uni Halle zu gehen. Wir erwarten also eine konstruktive Diskussion.