15.04 | Klima – Wandel oder Krise? 

„United they stand – divided they fall!“ Mit dieser Bemerkung pointierte Jeffrey Sachs, einer der „Erfinder“ der globalen Nachhaltigkeitsziele der Vereinigten Nationen im Jahre 2016 in einem Vortrag an der TU Berlin, den innigen Zusammenhang von Klimaschutz und Nachhaltigkeitszielen. Tatsächlich ist es kaum vorstellbar, dass das eine ohne das andere zu erreichen wäre. Warum das so ist und wo die Fallstricke auf dem Weg dorthin liegen, das gilt es zu erörtern. Ausgehend von dem epochalen Werk „Limits to Growth“ initiiert vom Club of Rome 1970 müssen hierzu auch die globalen Grenzen ökologischer Tragfähigkeit erneut ausgelotet werden. Es kommt also das Konzept der „Planetary Boundaries“ ins Spiel. Eigentlich ist dieses eine überholt geglaubte Denkfigur des 19. Jahrhunderts, die aber durch die sogenannte „Große Beschleunigung“ (‚The Great Acceleration‘) seit 1950 plötzlich wieder erschreckende Aktualität gewonnen hat. Nicht umsonst bezeichnen wir die Epoche seit Beginn der industriellen Revolution als das Anthropozän, also als die erdgeschichtliche Epoche in der die Menschheit zur bestimmenden Kraft der gesamten Erde geworden ist. Die anstehende sozial-ökologische Transformation, die es ermöglicht zukünftigen Generationen einen lebenswerten Planeten zu erhalten, demokratisch zu legitimieren ist dabei nicht nur Nebensache, sondern trifft den Kern der Herkulesaufgabe vor der wir stehen. Denn am Ende zeigt sich, dass Partizipation, gesellschaftliche Teilhabe und sozialer Ausgleich Teil jener nachhaltigen Entwicklung sein müssen, ohne die Klimaschutz kaum gelingen wird. Wer sich für Klimaschutz stark macht kommt und um die Wertediskussion im Ganzen nicht herum. Ob und wie das gut und richtig ist, auch darüber wird zu sprechen sein.“ 


Prof. Dr. Christoph Schneider

Seit 1. Oktober 2015 Professor für Klimageographie an der Humboldt-Universität zu Berlin.